Man kann sich in der heutigen Zeit fast alles nach Hause liefern lassen: Mode, Pflegeartikel, Möbel, Nutzgegenstände jeglicher Art, Medikamente, ja, sogar Lebensmittel. Die Online-Shoppingwelt wurde mittlerweile fast optimal an die Bedürfnisse der viel zu lange oder in Schichten arbeitenden Bevölkerung, des Schnäppchenjägers oder des einfachen Rausgeh-Muffels angepasst. Also bestellen wir alle hin und wieder (oder auch mal öfter) online und lassen es uns ganz bequem nach Hause liefern. Soweit so gut. Und dann sitzen wir Zuhause – oder eben nicht, weil das Geld für die Bestellungen will ja auch erst verdient werden – und warten auf unsere Pakete… Und dann kommen sie: die Spezies „Lieferboten“.

Vorweg: natürlich sind sie nicht alle gleich und manche haben auch durchaus pflichtbewusste Arbeitsmoral. Manche sind ganz freundlich, erklimmen tapfer alle anfallenden Treppen, sagen „Guten Tag“ und „Aufwiedersehen“, beachten die „Vorsicht – sensible Fracht“-Etiketten und machen ihren Job einfach gut. Und dann gibt es die anderen… Diese interpretieren beispielsweise die hinterlegte „Wunschnachbar-Verfügung“ ganz eigen:

*Mann (angegebener Wunschnachbar bei Abwesenheit) kommt raus, trifft vor der Tür einen Paketboten*

– Guten Tag! Haben sie ein Paket für Familie X?

– Nein, aber für ihre Nachbarin, Frau Y. Aber sie ist nicht da…

– Auch gut, das kann ich auch annehmen – wir haben gegenseitige Vollmacht zu Paketannahme hinterlegt…

– Das geht leider nicht…

Der Mann wundert sich, zieht aber ohne Paket ab. Als er später wiederkommt, findet er im Briefkasten einen Paketboten-Zettel, auf dem – schwer leserlich und grammatikalisch kreativ – steht: „Bitte Herr X das Paket für Frau Y beim Hausmeister abholen“. *bitte gedanklich das „Scherz-Vorbei-Geräusch“ einfügen* Ja, tatsächlich, das gab es wirklich.

Dass es mit dem „Hinterlegen Sie einen Wunschnachbarn für den Fall, dass sie zu ihrem Liefertermin nicht zuhause sind“ ganz wunderbar klappt, sieht man häufiger, wenn man in den Briefkasten schaut. Ganz erstaunlich ist auch, dass die Pakete, die früher sonst immer bei Nachbarn oder dem Hausmeister abgegeben wurden, neuerdings öfter mal einen „zweiten Zustellversuch“ mitmachen müssen – trotz anwesender Nachbarn und Hausmeister – oder gar in einer entlegenen Postfiliale landen. Da kann man übrigens auch nicht mehr einfach so das Paket für den Ehegatten abholen, nein. Da braucht man eine schriftliche Vollmacht und zwei Ausweise. Und die Filiale macht auch schon um 18 Uhr zu, also sehr praktisch, wenn beide aus arbeitstechnischen Gründen nicht vor 19 Uhr da sein können…

Genauso gut funktioniert es auch mit dem „Gewünschten Ablageort“. Wenn man zB das Treppenhaus angibt (wer will da schon zwei große, sperrige Pakete entwenden?..) landen diese trotzdem beim Hausmeister paar Häuser weiter. So viel zu „bequem und problemlos“…

Den neusten Trend haben wir aber dem wohl größten Anbieter allerlei Ware zu verdanken, der seit einiger Zeit auch mit eigenem Lieferservice zustellt. Wobei „Service“ in diesem Fall heißt: Sturmschellen, unverständliches Grunzen an der Eingangstür (obwohl man 5 Stockwerke höher steht) und schnelles Verschwinden. Ernsthaft: ich habe noch keinen von dieser Spezies so zu Gesicht bekommen, dass ich behaupten könnte, ihn wirklich gesehen zu haben. Die Lieferungen findet man danach meistens unten im Treppenhaus, lieblos auf den Boden geschmissen (obwohl sowas drauf steht wie „Vorsicht! Glas“) oder gewaltsam mit einer Ecke in den viel zu schmalen Briefkastenschlitz gesteckt. Schön ist auch:

*Es schellt, dann nochmal, und gleich noch zweimal. Alles in ca 30 Sekunden, die man bis zur Tür gebraucht hat. Man macht die Tür auf und schaut runter*

*Unverständliches Grunzen mit meckerndem Unterton dringt empor*

– Wie bitte? Ich verstehe sie hier oben nicht?!

*Wieder unverständliches Grunzen. Diesmal deutlich genervt*

*Offensichtlich Paketlieferung, also läuft man entgegen, weil man ist ja nett*

– *unverständliches Grunzen* …Paket… *unverständliches Grunzen*

*Man läuft weiter runter und versteht kein Wort. Sieht und hört aber jemanden hochtrampeln*

– *kurzes unverständliches Grunzen* …ah, sie kommen runter! (Noch 2 Stockwerke sind dazwischen) Ich legs hier!… *Paket landet auf dem Boden. Paketbote dreht sich um und hastet die Treppe wieder runter*

– Warten sie!!! (sieht zwei Pakete, hat aber nur eins bestellt) Sind sie beide für mich?! Auf den Namen X?

– Jaja, beide für sie! *hallt es vom letzten Treppenabsatz hoch und gleich darauf fällt die Tür zu*

*Erreicht die Pakete, schaut auf die Etiketten und stellt fest – sind NICHT beide „für sie“*

Übrigens hinterlässt diese spezielle Spezies nicht einmal einen Zettel im Briefkasten, was zu Haarrauferei und Panikattaken führen kann, wenn man etwas kostspieligere Lieferungen erwartet. So erwartete ich unlängst eine solche Lieferung, die dummerweise einen Tag früher eintraf, als angekündigt. Da ich an diesem Tag nun mal nicht zuhause war und auch nichts von der früheren Zustellung wusste, schaute ich nicht schlecht, als ich am folgenden Tag eine Email öffnete, die mir offerierte, meine Sendung wurde „einem Bewohner des Hauses“ übergeben. Kein Name, kein Zettel im Briefkasten, ein 10-Parteien-Haus… Nachdem ich mich gut eine halbe Stunde durch etliche Fenster auf meinem Account durchgeklickt hatte, bis ich endlich eine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme fand, wurde meine Anfrage telefonisch von einem Mitarbeiter aufgenommen, der so klang, als würde ein riesiger Sklaventreiber mit einer Peitsche hinter ihm stehen und jedes seiner Worte und Bewegungen überwachen. Dieser Mitarbeiter teilte mir mit sehr viel Bedauern mit, es wurden keine weiteren Daten zu meinem Paket hinterlegt und dass er jetzt eine „Suchaktion“ in Auftrag geben wird. Er tat mir so Leid, dass ich dann auf gut Glück bei Nachbarn schellte, die öfter mal Pakete annehmen – und hatte Glück. Die Nachbarin erzählt im Übrigen von einer ähnlichen Trend-Begegnung, wie bereits oben geschildert.

Der Wegrenn-Trend greift aber nicht nur bei diesem Anbieter um sich. Tatsächlich nimmt diese Tendenz in 2018 sichtbar zu und man fischt immer mehr Pakete aus dem Eingangsbereich der Mehrfamilien-Häuser raus. Die dazugehörigen Boten sieht man hingegen immer seltener…

 

Advertisements

7 Gedanken zu “Anekdoten aus dem Alltag: Die Paketboten 2 – der neue Trend

  1. Ja die lieben Paketboten..
    DHL, Hermes, DPD.. Wir haben sie alle durch.. Sie sind alle gleich inkompetent.

    Mit dem Amazon Logistics Unternehmen haben wir hier aber glück. Die kamen tatsächlich bisher immer. Letztens dachte ich sie hätten es jetzt auch verbockt, aber sie sollten bis 21.00 Uhr kommen und um 21.03 Uhr hat es geklingelt und ich hielt mein Paket in den Händen.
    Bei der Hotline von denen hatte ich bisher eigtl auch immer glück. Sehr freundlich und bemüht, auch wenn sie mir nicht immer helfen konnten. Sie konnten wenigstens den Paketunternehmen auf die Finger hauen das es am nächsten Tag dann ankam. Aber dafür zahlt man kein Prime…

    Gefällt 1 Person

    1. Es kommt tatsächlich auf den Menschen an, der gerade mit dem Paket unterwegs ist (wir haben hier in der Region zB einen super netten DPD Lieferanten – er beschwert sich nie, ist immer freundlich und bringt immer die Pakete bis nach oben und bedankt sich, wenn man ihm entgegen kommt. Andere berichten von DPD dagegen nur schlechtes…), aber wirklich guten Eindruck hatten wir hier auch von keinem Lieferdienst. Und bei „Amazon Logistics“ kriege ich persönlich zZ nen Schreikrampf. Ich hab zu meinem Mann schon gesagt – sollte ich den Typen mal erwischen, kriegt er was zu hören. Die Betonung liegt allerdings auf „sollte“ -.-

      Gefällt 1 Person

      1. Vielleicht kannst du Amazon Logistics sonst bei Amazon sperren lassen 😛
        Also DHL und Hermes haben wir erfolgreich dort gesperrt.
        DHL berappelt sich jetzt aktuell wieder und der Fahrer ist auch freundlich, vielleicht wurde der ausgetauscht.

        Gefällt 1 Person

      2. oh man, ich muss unbedingt mal diese option finden… ich hab echt kein bock mehr auf diesen unfreundlichen kompetenzbolzen, der mich jedes mal anmault (wobei ich nicht ein wort verstehe) und meine Pakete durch den Flur wirft-.-

        Gefällt 1 Person

  2. Hallöchen ^^
    Natürlich geht sowas gar nicht… Ich kenne solche Aktionen auch und die sind einfach absolut ärgerlich, immerhin geht es um die Wertsachen anderer… Und es gibt ja boten, die mit gutem Vorbild voran gehen… Doch ich glaube, dass dieser Beruf mit seeeehr viel Druck verbunden ist. Habe von einem Bekannten gehört, er hat erst Feierabend, wenn er alles ausgeliefert hat, egal, wie lang das dauert… Insofern habe ich da auch immer Verständnis. Und ich denke mir, dass viele auch wirklich mit ruckenschmerzen wegen des tragens zu kämpfen haben… Und ich denke, es ist auch ein Job, den viele sich nicht freiwillig ausgesucht haben, sondern reingerutscht sind. Alles Sachen die verhalten nicht entschuldigen, aber ich denke, man muss das einfach auch sehen…

    Gefällt 1 Person

    1. Sicher hast du auch recht. Allerdings wenn man Dienstleister ist, sind gewisse umgangsformalitäten einzuhalten. So schwer und anstrengend ein job auch ist – diejenigen, die für diese Dienstleistung bezahlen, können im Endeffekt auch nichts dafür. Ich meine – wir kommen oft den leuten entgegen, wenn da viele Treppen dazwischen sind, sagen auch freundlich „guten Tag“… Und werden dann aus Gründen angemotzt. Oder dürfen uns damit rumschlagen, dass – obwohl dafür gesorgt wird, dass einer da ist, der das Paket annimmt – man angeblich nicht zuhause war, obwohl sie einfach nicht klingeln. Ich meine – hat mal einer beim Bäcker schon mal bezahlt und kein Brot gekriegt? Die haben, zB auch einen schweren Job und müssen in aller Herrgotsfrühe ausm haus. Oder die Putzfrauen – kein schöner Job, auch knochenhart, aber auch sie verkneifen es sich, jeden anzumotzen, der gerade ihre Räumlichkeiten betritt… Es geht ja nicht darum, dass wir irgendwelche sonderleistungen erwarten. Wir erwarten nur, dass sie ihren Job machen und uns, die Endverbraucher, dafür nicht anmotzen. Denn ganz ehrlich – würden wir nichts bestellen, hätten sie keinen Job.

      Gefällt mir

      1. Es stimmt ja, wie gesagt, man kann ja nicht alles entschuldigen und unmöglich ist es schon ^^ selbst wenn man mit seinem Job unzufrieden ist, macht man es sich selbst ja nur unnötig schwer, wenn man mit so einer Laune herum läuft 😅

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s