Ein trübes weißes Licht, das durch ein Fenster fällt. Ein kaum wahrnehmbarer Luftzug bewegt sacht die weißen Vorhänge. Blautöne, die die Ruhe in sich tragen. Die Geräuschkulisse, die ein helles Vogelgezwitscher in den Hintergrund drängt. In der Mitte ein Vakuum aus Stille, der das Leben außen vor lässt.

Der unruhige Geist, der sich nach der Ruhe sehnt, aber die Stille nicht mehr kennt. Haut, die zum Atmen kommt… Als hätte man sie all die Zeit erstickt. Ein Luftzug streift sie – als wäre es das erste Mal. Der Geist hält inne und fühlt.

Die Lungen füllen sich mit Luft, die Kehle halb verschnürt. Als läge eine Hand um die Luftwege, die diese zusammendrückt. Ein unruhiges Herz, das schlägt, als würde es ein lauerndes Monster vor der Tür spüren, welches sich auf einen Angriff vorbereitet. Doch es ist nicht da. Nur die Ruhe ist da. Ein Fremder in dieser Welt.

Der Kopf ist nicht gewohnt, keine To-Do-Liste zu haben. Der Körper ist es nicht gewohnt, nicht vorangetrieben zu werden. Die Nerven sind es nicht gewohnt, einfach nur das Hier und Jetzt zu fühlen. Der Geist hat vergessen, was Ruhe ist. Er empfindet sie als befremdlich. Beunruhigend. Bedrohlich.

Die Gedanken treiben sich selbst voran, doch rennen sie jetzt gegen die Stille. Wenn das „muss“ plötzlich weg fällt, verfangen sie sich plötzlich im „sein“. Wie kleine Fische in einem kleinen, runden Aquarium mit nichts als klarem Wasser darin. Das Leben da draußen dringt nur noch dumpf und unbedeutend zu ihnen durch und sie verweilen an Ort und Stelle und lassen es auf sich einwirken. Oder wie ein Kind im Mutterleib…

Ein rastloser Geist, der unverhofft rasten darf, weiß nicht mehr, was er damit anfangen soll. Die innere Unruhe will ihn vorantreiben, die Ruhe hält ihn in ihrer Umarmung gefangen und zwingt, die Stille zu hören. Hin und her gerissen, beunruhigt und zugleich neugierig inne haltend, verweilt er einfach. Und beobachtet. Lauscht. Lässt es auf sich wirken. Versteht nicht so recht, was es ist, fühlt es aber – wie es sich mit ihm verbindet. Mit seinem Domizil verbindet. Ihn durchströmt und nach und nach füllt.

Mit allen Sinnen wird die Ruhe wahrgenommen. Durch alle Sinne, wird sie aufgesogen. Sie strömt in die Blutbahn, doch fühlt sie sich wie die pure Energie an. Ist das nicht ein Paradoxon – die Ruhe, die gleichzeitig eine Quelle für pure Energie ist..? Es kribbelt in den Gliedern.

Demütig den Kopf geneigt, sieht der Geist – aber nicht das physische, sondern das immaterielle Hier und Jetzt. Den Augenblick. Jeden einzelnen.  Die Faszination ist größer, als das Unbehagen. Die Sehnsucht größer, als die Angst. Alle Sinne sind geschärft und in den Adern fließt Starkstrom. Nur baut dieser keine Spannung auf, sondern fließt dahin, wo die fast leeren Batterien sind… Irgendwo in der Mitte… Und das Atmen fällt ein wenig leichter.

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3 Gedanken zu “Die Ruhe

  1. Ja, wenn der Körper und Kopf mal ausspannen darf, da ist er doch fast überfordert…

    Wie, nichts zu sehen oder hören? Wie, nichts zu tun? Einfach nur ich? Ich und die Sanftheit, die mich umgibt?

    Das sind Momente, zu denne man sich zwingen muss…
    Liebste Grüße!

    Gefällt 1 Person

      1. Auf jeden Fall… Ich merke es an mir selbst, dass ich immer mehr in diesen Strudel der Zeit hinein gerate. Man muss sich dessen immer wieder bewusst werden…

        Gefällt 1 Person

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