Wir bewundern viele Menschen für viele Eigenschaften und Taten. Die Presse und Informationsmedien sind voll davon: Menschen, die jemanden retten, Menschen, die selbstlos für Hilfebedürftige einstehen, Menschen, die im Krieg kämpfen… Keine Frage, alles sehr beeindruckend. Aber was ist mit denen, die jeden Tag, ganz still und ohne großen Trara sich selbst, ihre Zeit, ihre Nerven, ihren Körper opfern und mit keinem Wort irgendwo erwähnt werden..? Schon mal darüber nachgedacht, was es heißt, Hausfrau zu sein?

Man sieht sie jeden Tag, immer und überall und jeder kennt mindestens eine davon. Eine Hausfrau. Nicht selten ist es die eigene Mutter. Eine Frau, die einen Full-time-Job 24/7, rund ums Jahr hat. Kein Feierabend, kein Urlaub, keine Bezahlung und oft nicht mal eine Anerkennung. Sie sind halt da, sie haben ja nichts besseres zu tun, denn sie arbeiten ja nicht. FALSCH. Sie arbeiten. Und zwar unermüdlich jeden Tag.

Jeder, der mal selbstständig einen eigenen Haushalt geführt hat, weiß, wie viel Arbeit dabei anfällt: das Geschirr, die Wäsche, putzen, kochen, einkaufen… Willst du was essen, werden Gegenstände benutzt, die auch wieder sauber gemacht werden müssen. Willst du saubere, ordentliche Kleidung tragen, muss sie gewaschen, getrocknet und gebügelt werden. Hausstaub ist immer da, egal, wie oft man den wegwischt. Boden wird immer dreckig. Das Bad hat immer Wasserflecken und zwar überall… Wohnt man allein, muss man wenigstens nur den eigenen Dreck wegmachen. Und man kann ganz gut Strategien umsetzten, die darauf hinauslaufen, dass man weniger zu putzen hat, wenn man es erst gar nicht verdrecken lässt. Hab ich selbst ausprobiert, funktioniert wunderbar.

Wie sieht es aber aus, wenn man zu zweit oder gar zu mehreren ist..? Und wenn nicht alle dabei gleichermaßen ordentlich sind..? Folgende Situation dürfte jedem bekannt vorkommen: als Kind hatte man vor der Schule gefrühstückt, das Geschirr stehen gelassen und war raus aus dem Haus. Als man am Nachmittag zurückkam, war alles – inklusive Krümmel und Klekse – wie durch einen Zauber verschwunden. Das zerwühlte Bett ordentlich zugedeckt. Die Zahnpasta-sauerei im Waschbecken sowie die kalkigen Wasserspritzer weg. Handtücher wieder gerade. Saubere und gebügelte Wäsche ordentlich Schrank verstaut. Staub gab es nicht. Böden waren immer sauber. Fenster geputzt. Blumen gegossen. Essen vorrätig und wunderbar duftend zubereitet. Und es gab immer noch ein paar Tupperdosen mit Leckereien für den kleinen Hunger zwischendurch, die man sich ganz schnell in der Mikrowelle warm machen konnte. Und den gefüllten Süßigkeitenschrank, den gabs auch immer.

Man kann jetzt darüber streiten, wer wann einen solchen Full-Service das letzte Mal genießen durfte – die einen wurden früh entwöhnt und zur Selbstständigkeit erzogen, die anderen durften einiges davon bis zur letzten Minute unterm Elterndach auskosten. Manch einer genießt es auch jetzt noch – zumindest den Wäscheservice, die unsichtbare Putzkraft für die Gemeinschaftsräume und die Mahlzeiten – immer noch. Als Kind denkt man über solche „Selbstverständlichkeiten“ nicht nach: man macht Dreck und dieser verschwindet wieder von allein. Als Teenie nerven die Eltern zusehends mit „Räum dein Zimmer auf!“ oder „Räum das gebrauchte Geschirr direkt in die Spülmaschine!“ und Ähnlichem. Manche kriegen vielleicht mit, wie viel Arbeit das alles ist und helfen aus. Manche werden früh dazu erzogen mitzuhelfen. Und manche werden geschont bis zum bitteren Ende… Aber eines erleben sie alle einmal (abgesehen von diesen suspekten Gestalten im Pullunder, die noch mit 40 bei Mama wohnen…): den Schock ihres Lebens, wenn sie das erste mal in der eigenen Wohnung Großputz machen müssen. Denn egal, wie sauber und ordentlich man seinen Haushalt neben dem Studium oder dem Job zu führen versucht – irgendwann kommt der Moment, wo man Ecken entdeckt, die man bisher nicht bewusst wahrgenommen hat. Und die Fenster. Und unterm Sofa. Und aufm Schrank. Und im Schrank. In den Küchengeräten. Auf den Küchengeräten. Hinter den Regalen. Und die Fensterbänke. Und die Türrahmen. Die Kacheln. Die Fugen. Die Griffe. Die Spiegel. Die Vorhänge… Und eine ganze Menge mehr, was in dem sauber geführten Haushalt dennoch Dreck angesammelt hat. Und man sitzt inmitten von dem Ganzen, vielleicht schon seit Stunden am schrubben, vielleicht aber auch noch gar nicht angefangen, und fragt sich – wann ist das alles passiert? Bei Mama war das doch nie so! Da konntest du immer überall hin packen und es war sauber. Ein wenig staubig vielleicht, aber das nie lange. Die Gläser hatten keine Wasserspritzer. Der Backofen war immer sauber. Die Armaturen überall blitzeblank.

Und dann fängt man an zu verstehen, zu begreifen, was die besagte Hausfrau den ganzen lieben langen Tag so macht. Sie steht vor allen anderen auf, bereitet Frühstück zu, macht Pausenbrote, achtet darauf, dass niemand zu spät kommt – das kriegt man ja noch aktiv mit. Aber dann, wenn alle aus dem Haus sind, – und da verachte ich mittlerweile aus tiefstem Herzen jeden, der zu fragen wagt: „was machst du den ganzen Tag denn so, wenn du schon nicht arbeiten gehst..?“ –  fängt der ganze Spaß ja erst richtig an: aufräumen, kurz hier abwischen, kurz da abwaschen, einen Gang Wäsche rein, damit sie direkt aufgehängen werden kann, sobald man vom einkaufen zurück ist. Und wenn man schon mal unterwegs ist, kann man ja noch zur Post, zur Bank, zur Apotheke und in drei verschiedene Geschäfte, weil der Mann braucht noch X, das Kind braucht noch Y und alle brauchen was zu essen. Und jetzt muss man auch schon schnell wieder zurück, denn das Kind kommt gleich von der Schule und hat bestimmt Hunger. Ist das Kind wieder im Hause, wird es sich um es gekümmert – es wird geredet, gelacht, geweint, getröstet, ermutigt, geholfen, verarztet, lieb gehabt und und und… Kommt der Mann nach Hause, gibt es dasselbe nochmal. Selbstverständlich ist bis dahin schon das Abendessen fertig. Die Familie wird bespaßt, beschmust, angehört, verstanden, organiesiert, erzogen, ein wenig verwöhnt und mit viel Liebe umgeben. Diese Frau denkt für alle mit, hat für jeden Zeit und schafft es in den unmöglichsten Situationen die Ruhe zu bewahren und den Durchblick zu behalten. Wann ruht sie mal selbst..? Irgendwann, wenn alle Vorbereitungen für den kommenden Tag getroffen sind, alle ins Bett gebracht wurden und die am Abend angerichtete Unordnung beseitigt wurde. Dann geht auch die Frau zu Bett – und schläft ganz bald mit einem Buch in den Händen ein. Und so jeden Tag (die ganzen Feiertage und extraordinäre Situationen, wie etwa Krankheiten, ergänze man sich mit dem beschriebenen Aufwand mal 3, 5 oder 10 dazu). Solange die Hausfrau eine Familie hat, die versorgt und umsorgt werden muss und sie sich noch bewegen kann. Also eigentlich immer.

Und jetzt du, Karrierist.

Gewidmet sei dies allen Hausfrauen, die  jeden Tag unermüdlich für ihre Lieben sorgen. Was ihr schafft, ist bewundernswert und verdient den allergrößten Respekt. Danke dafür!

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