Neben meinem Arbeitsleben habe ich auch noch so etwas wie ein Privatleben. Dieses Privatleben geht gern ab und zu mal shoppen. Da das Arbeitsleben allerdings die meiste übliche Shoppingzeit (gleichzusetzen mit Öffnungszeiten der Geschäfte) sich unter den Nagel gerissen hat, bleibt meinem Privatleben überwiegend das Onlineshopping vorbehalten – das kann man ja, zum Glück, heute rund um die Uhr. Und so habe ich es mindestens ein Mal (wobei das auf ein mittlerweile Jahrelanges Abo zur Befriedigung meiner permanenten Neugier auf etwas Neues in der unendlichen Welt der Kosmetika zurückzuführen ist), des Öfteren aber mehrmals im Monat (da kommt auch meine Freundin, Schrägstrich Nachbarin ins Spiel) mit den Päckchenüberbringern zu tun.

Am häufigsten hat man dabei mit folgenden drei Firmen zu tun: DHL, Hermes und DPD. Die Namen könnten glatt auf den Wahlplakaten für politische Parteien stehen – mal abgesehen von den passenden Namen, versprechen sie auch stets etwas, was selten so eingehalten wird. Klar, es ist auch immer von dem jeweiligen uniformierten Laufburschen abhängig, aber ich gehe jetzt einfach von meinem aktuellen Standort aus.

Also erstmal DPD. Weißes Auto, rotes Logo, maximalpigmentierter (seht mir diesen Adjektiv nach, denn in der Zeit der „Political Correctness“ weiß ich mittlerweile überhaupt nicht mehr, was man noch als eine akzeptable nicht-rassistische Beschreibung der ethnischen Unterschiede verwenden kann) Lieferbote. Ein freundlicher Mann mittleren Alters: grüßt immer, ist immer freundlich, läuft ohne sich zu beklagen die 72 Stufen (Aufzug ist nicht vorhanden) hoch, freut sich, wenn man ihm entgegen kommt (und das macht man ja gerne bei freundlichen Menschen), bedankt sich immer für die Unterschrift und wünscht einem jedes Mal einen schönen Tag. Mein Lieblingsbote. Ich weiß, es gibt auch andere, aber an „unserem“ habe ich wirklich nichts auszusetzen. Blöd wird es nur, wenn man an dem Tag nicht da war – DPD gibt nie bei Nachbarn ab und fährt das Paket sofort zurück zur Abholstation. Diese ist aber am ADW oder diplomatischer ausgedrückt – ganz weit weg. …und ohne Auto schlecht zu erreichen. Der Mensch an der Ausgabe ist auch nicht sonderlich freundlich und hat kein Verständnis dafür dass man solche Lieferungen als arbeitender Mensch zu planen versucht und wenn das Paket ein Tag früher, als angekündigt, da ist, man eben nicht zuhause ist. Aber gut, wenn es funktioniert, dann wenigstens gut und angenehm.

Hermes. Weißes Auto, blaue Schrift, zwei Boten: ein junger Mann und eine ältere Dame, beide vermutlich Einheimische. Junger Mann: ächzt und schnaubt schon aufm halben Wege, sodass man aus Mitleid etwas entgegen kommt. Ist aber auch recht freundlich, bedankt sich auch meistens, wenn man ihm entgegen kommt, klagt nur jedes zweite Mal über Hochhäuser ohne Aufzug, weil er wohl einige davon auf seiner Route hat. Und er ist bekannt für solche Aussagen wie „schön, dass sie auch mal zuhause sind, wenn das Paket kommt…“ – ähm… ich gehe vielleicht arbeiten? und mein Mann ebenfalls..? Naja. Aber sonst ist er eigentlich ganz ok (zumindest zu mir, mein Mann hat ihn nach dem Satz gar nicht mehr gern). Die Länge und die Freundlichkeit des Abschiedsgrußes hängt in der Regel von seiner aktuellen Sauerstoffsättigung ab. Die ältere Dame: meckert schon, wenn sie durch die Tür kommt, schnaubt nach drei Stufen (wir haben aber immer noch 72 davon) und zieht es öfter vor, so zu tun, als würde die Klingel nicht funktionieren (ich wette, an manchen Tagen fährt sie nur vor, schmeißt ein Zettel rein und geht wieder – das würde zumindest die ganzen Zettel erklären, die im Briefkasten landen, ohne dass jemand geklingelt hat, obwohl man den ganzen Tag zuhause gewartet hat) oder durch die Tür zu gehen und am Treppenabsatz darauf zu warten, dass man von ganz oben bis nach ganz unten in drei Sekunden runtersprintet. Noch nie freundlich erlebt. Immer am meckern. Immer in Eile. Man hat stets das Gefühl, man müsse sich dafür rechtfertigen, wieso man so hoch lebt und man müsse sich dafür immer entschuldigen, dass sie unseretwegen Verspätungen in Kauf nehmen muss, weil man ja nicht bereits unten steht, wenn sie angefahren kommt. Ganz großes Kino. Einmal hab ich ihr Ankommen tatsächlich just in time mitbekommen, weil ich gerade auf dem Balkon die Wäsche aufhing, und bin zur Tür in Erwartung des Klingelns. Als nichts geschah, sprintete ich wieder auf den Balkon und sah sie schon zum Auto laufen. Ich rief – sie hörte (beim zweiten Mal). Im Endeffekt musste ich – so unpassend gekleidet, wie ich nun mal war – nach unten hetzen, wo ich erstmal angeschnautzt wurde, wieso ich denn nicht aufgemacht hätte, wo hingegen ich zu bedenken gab, dass man dafür erstmal klingeln müsste. „Hab ich doch! Zwei mal!“ Ja ne, ist klar. Die Klingel funktioniert einwandfrei. Wenn man sie denn betätigt. Denkt euch ein Kopfschütteln dazu. Kiebige alte Frau, die ganz sicher falsch in ihrem Job ist.

DHL. [Sarkasmus] Mein absoluter Lieblingslieferant. [/Sarkasmus] Gelber Wagen, rote Schrift, bei uns meist ein deutscher oder türkischer Mitbürger hinterm Steuer. Was soll ich sagen..? Ich habe hier schon viele Gesichter im Auftrag der DHL gesehen, sodass ich nicht mal mehr sagen kann, wie sie aussehen. Fakt ist – sie liefern die meisten Geschichten. Da ich aber kein Buch über DHL schreiben möchte, begrenze ich mich auf die jüngsten Ereignisse. Vorab: Erstens – meine Freundin aus der Wohnung gegenüber und ich haben bei dem – in der Theorie – praktischen Service der „Online Paketstation“ gegenseitige Vollmacht zur Annahme der Sendungen hinterlegt. In der Theorie ist damit ein größerer zeitlicher Rahmen abgedeckt. Zweitens – mein Mann hat zur Zeit Urlaub und ist daher tagsüber meist Zuhause. Vor einigen Tagen kam hier eine Menge Pakete für beide Haushalte an (wobei meine Freundin für paar Tage weg war, aber mein Mann war ja zuhause). Als mein Mann – bereits unten – einen Paket von DPD für mich annahm, kam auch DHL an. Er erkundigte sich direkt, ob was für uns dabei wäre (er wartete nämlich selber auf ein Paket). Der Bote verneinte, aber für unsere Nachbarin hätte er war dabei. Mein Mann bot ihm an, das Paket anzunehmen, denn es sei die direkte Nachbarin und Freundin der Familie. Der Bote lehnte ab – er dürfte es nicht. Noch am selben Abend trafen wir den Hausmeister auf dem Hof, der uns wehleidig mitteilte, man hätte ihm wieder ein Paket für unsere Nachbarin in die Hände gedrückt. Wohlgemerkt – keine halbe Stunde zuvor hatte mir mein Mann davon erzählt, dass er das Paket nicht annehmen durfte. Mit diesem Facepalm-Ereigniss war es aber noch nicht vorbei. Am folgenden Tag fanden wir einen tollen Zettel von DHL im Briefkasten (den ich noch am selben Tag zerrissen und entsorgt hatte…): „Familie X für Nachbarin Y bitte das Paket beim Hausmeister abholen“. Mein Mann: „AAAAAAAAARGGGHHH!!!!“ …und raufte sich die Haare. Ich: „BWAAAAAHAHAHAHAHAHAHA..! Aaaaah…“ …aus dem lachen in Verzweiflung in 3 Sekunden. Unsere Nachbarin (sie kam kurz darauf vorbei): „…….. was für Vollidioten…“ …sehr gefasst, aber sichtbar not amused. Auch hier – öfter mal ein Abholzettel im Briefkasten (Hermes versuchts wenigstens am nächsten Tag nochmal), obwohl man ganz sicher zu der angegebenen Zeit zuhause war und ganz sicher keinen Staubsauger oder laute Musik an hatte. Die Freundlichkeit variiert je nach Person, Jahreszeit, Wochentag, Uhrzeit, Wetter und Planetenkonstellation.

Für Abwechslung ist damit stets gesorgt.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Anekdoten aus dem Alltag: Die Paketboten

  1. Es ist traurig, dass man solche Geschichten immer wieder erleben muss. Da weiß man als Leser nicht, ob man lachen oder weinen soll, weil dabei die eigenen Erlebnisse im Hintergrund mitlaufen.
    Die kleinen Geschichten, die einem das Leben vorgibt sind es aber durchaus wert, dokumentiert zu werden. Es wird dadurch nicht besser, aber man wenigstens darüber lachen.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s