Wenn es wärmer wird, die Tage an Länge gewinnen und die Luft nach Sommer zu riechen anfängt, fängt die glücklichste Zeit für mich an. Warum? Weil jeder einzelne Tag diese magische halbe Stunde mitbringt. Ich bin mir sicher, ihr kennt sie auch. Das ist diese halbe Stunde, wenn die Sonne noch nicht ganz untergegangen ist, und doch ist es nicht mehr richtig hell. Die Stimmen der spielenden Kinder sind auf einmal verstummt, es knallen keine Autotüren mehr zu und auch keine Haustüren, die Geräusche des geschäftigen Alltags treten immer mehr in den Hintergrund… dafür wird das Vogelgezwitscher lauter. Aber es hört sich nicht wie am frühen Morgen an, nein. Sie begrüßen nicht den Tag, sie verabschieden ihn ganz eindeutig, mit einem ganz besonderen Lied. Und inmitten von diesem Gezwitscher lässt sich eine unbeschreibliche Ruhe auf die hektische Stadt nieder. Das ist dieser Moment, wenn einem plötzlich bewusst wird, dass der Tag fast vorbei ist. Man achtet selten auf eben diesen Moment, er schleicht leise an und überfällt einen plötzlich, ganz unerwartet, ganz beiläufig… Man schreckt kurz auf, denn aufeinmal wird es ruhig um uns herum. Man hält kurz inne, wenn man diese herabsinkende Ruhe plötzlich wahrnimmt, lauscht kurz gespannt… Und dann fühlt man sie – wie ein Überzug aus Samt lässt sich jetzt Nyx, die Nacht, nieder. Sie verschluckt leise die Lichter, sie verschluckt die Geräusche… die vom Tag gereizten Sinne werden sanft eingedämmt. Sie fühlt sich schwer und leicht zugleich an. Schön ist das, nicht bedrohlich. Eine Wohltat, die wie eine sanfte Woge einen umhüllt, die Eindrücke des Tages von deinen Schultern streicht und die Augenlider so süß-schwer werden lässt. Wenn man die Nacht lässt, wird sie einen in dieser magischen Zeit ganz sanft zum entspannen und ausruhen einladen, in eine sanfte Decke des Vergessens hüllen und still und leise in die Welt des Morpheus geleiten. Damit man den Tag verarbeiten kann. Damit man ruhen kann. Damit man sich erholen kann. Damit man Zeit hat, sich wiederherzustellen. Mütterlich hüllt Nyx alle rastlosen Geister ein, damit sie rasten können. Versteckt die Hässlichkeiten, damit wir es schön haben. Dimmt die intensive visuelle Welt, damit wir wieder fühlen können. Lässt die Geräusche verstummen, damit wir das Leben in unseren Adern pulsieren hören. Umhüllt jeden einzelnen von uns, damit niemand allein ist, aber auch jeder sich nur um sich selbst kümmern kann…

So kurz diese halbe Stunde auch sein mag – sie bringt so unglaublich viel, wenn man nur mal kurz hin hört.


Mit besonderem Dank für das wunderschöne Bild an Gerhards Fotoblog.

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Ein Gedanke zu “Sommernächte

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