Die Kommunikation ist das A und O der zwischenmenschlichen Beziehungen. Und häufig das größte Problem eben dieser. Wer kennt das nicht..?: „Du hörst mir nicht zu!“, „Wieso hast du nichts gesagt?“, „Das hättest du ruhig erwähnen können!“… So viele Beispiele fallen einem spontan ein, wenn es um die nicht einwandfrei funktionierende Kommunikation geht. Und es betrifft nicht nur die Liebesbeziehungen, sondern einfach alle Arten von Beziehungen im allgemeinen. Das liegt daran, dass wir keine Gedanken lesen können – das ist Fakt. Und wenn man seine Gedanken und auch Gefühle nicht kommuniziert, erfährt auch keiner etwas davon. Sicher, es gibt Menschen, die ein gewisses Gespür für das Befinden anderer haben, empathische Menschen. Aber auch sie können es nur erahnen und nicht wissen.

Als wir in diese Welt hinein geboren wurden, teilten wir uns ohne wenn und aber mit – mit den Mitteln, die uns zur Verfügung standen. Als wir heranwuchsen und unsere Kommunikationsfähigkeit sich weiter entwickelte und verständlicher wurde, wurde sie auch zugleich komplizierter. Wir lernten sie – so gut es ging – einzusetzen und lernen es immer noch. Doch parallel dazu lernten wir auch eine ganze Menge Einschränkungen. Wir lernten zum Beispiel, dass Gefühle im Zaum gehalten werden müssen und nur in gesellschaftstauglicher Form kommuniziert werden dürfen (statt „Du bist doof, mit dir spiel ich nicht mehr! *Sandförmchen an den Kopf schmeiß*“ ein „Ich bin da anderer Meinung“ und ein Versuch trotzdem miteinander auszukommen). Wir lernten auch, dass man manches besser für sich behält, um andere nicht zu verletzten oder um sie nicht in Verlegenheit zu bringen (statt „Das sieht blöd aus, was du da an hast“ ein „Oh! Heute mal was Neues ausprobiert? Das sieht interessant aus…“). Oder dass man manches für sich behält, um sein direktes Umfeld damit nicht zu belasten, vor allem, wenn das Umfeld selbst Probleme hat (statt „Mama, Mama, ich hab mir weh getaaaaan!..“ ein „Mir gehts gut, bin nur etwas Müde *möglichst glaubwürdiges Lächeln aufsetz*schweig darüber, dass du gerade nicht sehr tröstliche Nachrichten vom Arzt gekriegt hast, es gerade Finanziell echt schlecht aussieht und du das Gefühl hast, dir wird der Boden unter den Füßen weggezogen und du jetzt am liebsten heulend im Bett liegen würdest*. Wie geht es euch denn? Was hat der Arzt gesagt?“…).

Sicher – es würde nicht gut gehen, wenn man unangenehme Sachen ganz unverblümt kommunizieren würde. Und manche davon sind auch so unwichtig (wie zB ein Fehlgriff bei einem Kleidungsstück), dass man ruhig über sie hinweg sehen kann. Aber was ist mit den eigenen Wünschen und Bedürfnissen? Warum trauen wir uns manchmal nicht, sich jemandem anzuvertrauen, wenn uns etwas belastet – auch wenn wir durchaus eine Person an unserer Seite hätten, die dieses Vertrauen nicht missbrauchen würde und uns liebend gern zur Seite stehen würde. Wenn wir sie nur ließen. Wir tun es nur nicht. Wir wollen diese Person gern schonen, deshalb tragen wir alles mit sich selbst aus. Und fühlen uns einsam dabei. Mit allem allein gelassen. Das macht das „Ertragen“ dann umso schwerer, dabei wäre es so einfach auf eine vertraute Person zuzugehen und es mit ihr zu teilen. Sicher, das macht die Probleme nicht weg, aber das Gefühl, damit nicht allein zu stehen und jemanden zu haben, der die Probleme für dich vielleicht nicht lösen kann, dir aber gern den Rücken stärkt, ist sehr hilfreich. Es entlastet. Räumt uns einen sicheren Raum ein, wo wir schwach sein können, ohne dass alles in sich zusammen fällt, und lässt uns dadurch neue Kraft für das Weiter-machen schöpfen. Und dennoch reden wir nicht und wenn doch, dann tun wir so, als wäre alles halb so schlimm.

Das paradoxe daran ist – man spielt die Situation so weit runter, dass der leise Hilfeschrei, der sich darin verbirgt, nicht wahr genommen wird. Wir sprechen etwas beiläufig an, in der Hoffnung, jemand hört den ernst der Lage heraus und widmet uns seine Aufmerksamkeit, fragt nach, ermuntert uns dazu, sich mitzuteilen… Und es passiert nicht. Nicht weil die Person sich die Zeit für uns nicht nehmen würde, sondern weil wir es so kommuniziert haben, als wäre es nicht nötig. Läuft es so ab, halten wir uns aber noch mehr zurück. Anstatt in die Offensive zu gehen und zu sagen „Hey, hast etwas Zeit für mich? Mir wächst hier gerade alles über den Kopf…“, sagen wir lieber gar nichts mehr und setzen uns ein falsches Lächeln auf. Wir bauen selbst einen Käfig um uns auf, in dem wir uns später gefangen fühlen.

Und diesen Käfig bauen wir nicht nur bei Problemen auf. Nein, wir basteln Tag für Tag daran rum. Zum Beispiel, wenn wir die Prioritäten im Leben über längeren Zeitraum recht einseitig setzen. So habe ich zB damals, als eifriger Studienanfänger, nach meinem ersten Jahr feststellen müssen, dass ich fast meinen gesamten Freundeskreis eingebüßt habe. Immer, wenn einer gefragt hat, ob ich Zeit hätte, habe ich ihn auf später und irgendwann vertröstet. Immer etwas vorgeschoben, meistens die Lernerei… Und dann hatte ich irgendwann endlich mal wieder Zeit, saß da und wartete darauf, dass sich jemand meldet – und es passiert nicht. So ist das nun mal, wenn die Antwort sonst immer „nein“ lautet. Ein von mir selbst hochgezogener Käfig voller Einsamkeit, der sehr schwer zu durchbrechen war.

Wir schotten uns von der Welt ab und fühlen uns dann – oh, Überraschung! – ausgeschlossen. Dabei sind wir es ja doch selbst gewesen, die dafür gesorgt haben. Man hat dich nicht gefragt, ob du irgendwohin mitkommen möchtest? Hat nicht daran gedacht, dich in irgendwelche interessanten Konversationen mit einzubeziehen? Was hindert uns denn daran, sich von sich aus zu melden, zu fragen, Interesse zu bekunden? Nein, wir warten lieber darauf, dass man uns fragt, man uns einlädt, weil man seine Gesellschaft ja nicht aufzwingen möchte. Doch wer, außer uns selbst, weiß, dass man sich für etwas interessiert, wenn wir es nicht sagen? Nein, halten wir uns lieber mit falschem Stolz auf („wenn ich nicht gefragt werde, werde ich auch keinem hinterher rennen…“), statt seine Käfigtür zu öffnen und auf die anderen selbst zuzugehen. Und das ist nicht die Schuld der anderen – sie schließen uns meist nicht wissentlich aus -, sondern deine eigene, weil du dich von all dem abstrahiert hast, anstatt zu kommunizieren.

Auch dann basteln wir an diesem Käfig, wenn wir aufgrund von unseren Erfahrungen in der Vergangenheit zu wissen glauben, welcher Ausgang uns bei potentiellen neuen Wagnissen erwartet. So tendieren von Freundschaften enttäuschte Menschen dazu, auf neue Freundschaften zu verzichten, weil sie „eh nicht halten werden, weil das immer so ist“. Sie haben dann nur noch „Bekanntschaften“, eher oberflächliche Beziehungen, bei denen sie sich selbst oft gern als Freund anbieten (vielleicht nicht verbal, aber dafür mit Taten), aber sofort auf Abstand gehen, sobald deren „Bekannte“ anfangen, sich wie Freunde zu benehmen. Und egal, wie der andere sich bemüht, diese Bekanntschaft in eine Freundschaft umzuwandeln – der Enttäuschte bleibt immer auf einem gewissen Abstand, in dem Glauben, dass es besser so ist. Und sogar die Erkenntnis, dass man keine richtigen Freunde mehr hat, nicht mal einen einzigen, überzeugt sie nicht davon, dass dieser einsame Käfig selbst gebaut ist und auch selbst verlassen werden kann. Nein. Sie bleiben gern darin, in dem Glauben, dass er sie vor weiteren Enttäuschungen bewahren würde und vergessen dabei, dass es in den Käfig durchaus reinregnen kann, aber Sonnenstrahl, der einen trocknen würde, außerhalb der Gitter liegt.

Es gibt noch viele weitere Beispiele dafür, wie wir uns durch mangelnde oder nicht vorhandene Kommunikation selbst in die Einsamkeit drängen… Und leider gestehen wir uns viel zu selten ein, dass es nicht die Welt da draußen ist, die uns in diesen Käfig gesperrt hat – sondern wir selbst. Natürlich ist es viel einfacher zu sagen, dass es die anderen sind, die uns da rein getrieben haben – die Kinder, die nicht mit uns spielen oder teilen wollten, die ehemaligen Klassenkameraden, die Eltern,  die Nachbarn, die Kollegen, der Chef… Manchmal stimmt es sogar zum Teil. Doch meistens sind wir es selbst gewesen, die einfach nicht den Mut hatten, zur richtigen Zeit das richtige zu Kommunizieren, und jetzt nicht mehr die Courage aufbringen können/wollen, sich einzugestehen, dass wir selbst dafür verantwortlich sind. Und dass es unsere eigene Entscheidung war. Genauso, wie es unsere Entscheidung wäre, diesen Käfig zu verlassen.

 

 

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