Man kennt das: nach einem anstrengenden Tag freut man sich auf den Schlaf, in dem man alles, was einen belastet, vergessen kann. Man erhofft sich das „Abschalten“, die nötige Erholung von dem Alltag. Das ist so verlockend, so vielversprechend… Vermeintlich. Doch es ist nun mal so, dass sowohl unser Körper, als auch unser Geist im Schlaf den Alltag verarbeitet. Der Körper arbeitet auf Hochtouren und investiert viel Zeit und Kraft in Aufräum- und Wiederherstellungsarbeiten. Und der Geist tut es ihm gleich – durch Träume.

In unseren Träumen spiegeln sich Sachen wieder, die uns belasten, aufwühlen, beschäftigen. Wir träumen von unserem Alltag, von unseren Ängsten, von einschneidenden Ereignissen, die uns nachhaltig beschäftigen. Sicher träumen wir auch von schönen Sachen. Aber gerade die aufwühlenden Träume bleiben eher im Gedächtnis. Zumindest als Eindruck, nicht gut geschlafen zu haben.

Jedes Gehirn hat seine eigenen Verschleierungsmethoden für die Probleme und unangenehme Situationen, mit denen es sich im Schlaf auseinandersetzt. Meistens sind die Träume kryptisch, abstrus und spielen sich in seltsamen Parallelunsiversen ab, die mal mehr, mal weniger unserer Realität ähneln. Kennt ihr das auch..? Man ist gerade an einem Ort unterwegs, der im Traum als „altbekannt“ oder „vertraut“ gilt (zum Beispiel die eigene Wohnung oder der Spielplatz, wo man früher viel Zeit verbracht hat), aber man realisiert am Rande, dass es völlig anders aussieht..? Das, was sich da abspielt kann auch äußerst irritierend sein: manchmal träumt man direkt von einem Streit, manchmal fallen Worte, die man im wachen Zustand befürchtete zu hören… Aber manchmal erlebt man auch Situationen, die so fern ab von der Realität sind, dass man sich einen Traumdeuter zu Rate ziehen müsste, um sie zu entschlüsseln (also winkt man sie am ehesten einfach ab oder verbucht sie unter „kranker Scheiß“).

Manchmal sind wir im Alltag aber auch so ausgelastet, dass wir schlicht und einfach nicht genügend Zeit haben, um uns mit einigen Themen gebührend zu beschäftigen. Man verdrängt sie, stellt sie hinten an, verschiebt sie auf „später, wenn ich etwas mehr Zeit und Ruhe habe“. Da solche Themen selten zu der Kategorie „Nachdenken, Weg finden, umsetzten, fertig“ gehören, sondern vielmehr solche sind, mit denen man sich auseinandersetzen muss, um sie nachher einfach nur noch akzeptieren zu lernen, weil man nichts ändern kann, schiebt man sie möglichst lange auf. Kennt man, oder? Tja nun… Genau diesbezüglich kramt unser Unterbewusstsein ab und zu etwas aus, was es uns in einem denkbar ungünstigen Moment auftischt. Vorzugsweise in jenen Phasen, in welchen man sich jeden Morgen, Mittag und Abend ein und dasselbe Mantra vorbetet: „Durchhalten! Das ist nur eine Phase, da muss ich jetzt durch. Ab da und da wirds einfacher, also Arschbacken zusammenkneifen und durchhalten!“. Genau dann.

Nicht jeder erinnert sich an seine Träume. Nicht jeder setzt sich damit auseinander, wenn es doch so ist. Aber jeder kennt dieses Gefühl, noch müder aufzuwachen, als man eingeschlafen ist. Das ist der Nachhall solcher Träume, egal, ob man sich daran erinnert oder nicht.

Die Träume, von den man wach wird, sind die schlimmsten. Es ist nicht die Szenerie, die einen hochschrecken lässt, sondern das intensive Gefühl, das man darin hatte. Die Bilder kann man relativ schnell verscheuchen, das Gefühl bleibt jedoch. Das Gefühl einer panischen Angst oder tiefster Trauer, das Gefühl der Machtlosigkeit oder der Verzweiflung… So stark, wie man es sich im Wachzustand nie erlauben würde, solange man noch Herr seiner Sinne ist. Und genau das ist es, was einen nachträglich noch bedrückt – der Abdruck dieses Gefühls. Es ist nämlich wie ein Abdruck einer Geisterhand oder einer diabolischen Kreatur aus einem Horrorfilm, der sich in das Fleisch des Protagonisten gebrannt hat. Nur dass man sich dabei weder mit Salbe noch mit Verband Abhilfe schaffen kann, weil es irgendwo tief der Brust pocht.

Jeder geht auf seiner eigenen Art und Weise damit um. Meistens versucht man sich möglichst schnell davon abzulenken, stürzt sich in sein „Daily Doing“, sucht die „Beschäftigungstherapie“. Doch abends, wenn es draußen wieder dunkel wird, kommt nicht selten ein unangenehmes Gefühl hoch. Man beginnt daran zu zweifeln, ob die kommende Nacht diesmal die so bitter-nötige Erholung bringen wird, ob man sich endlich ausruhen können wird. Oder ob einen wieder eine unruhige Nacht erwartet. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich unbewusst das Einschlafen hinauszögere: auch wenn mir die Augen schon zufallen – „die eine Folge schaue ich noch“. Man versucht einen Zustand des „komatösen Schlafes“ herbeizuführen, in der Hoffnung, dass man zu müde zu träumen sein wird. Meistens gelingt es sogar.

Zum Glück sind solche intensiven Träume eher selten. Gehört man jedoch zu den Menschen, die sie bereits häufiger erlebt haben, die das Gefühl kennen, mit Tränen in den Augen und völlig verstört aufzuwachen, trägt man die Angst vor dem, was auf einen im Dunkeln lauert, immer mit sich. Man verdrängt und verschleiert sie, denn man braucht schließlich seine Nachtruhe. Doch ab und zu, kurz bevor man die Augen schließt, beschleicht einen das vage Gefühl, dass das keine ruhige Nacht sein wird.

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2 Gedanken zu “Das, was im Dunkeln lauert…

  1. Oh ja, das kenne ich nur zu gut… auch wenn es bei mir zur Zeit so ist, dass ich zwar früh und gut einschlafe, dann aber bald wieder wach werde und nur unruhig bin. Nicht, weil ich nicht schlafen will, sondern weil mir der Alltag gerade oft ein solch unangenehmer Traum ist. Im Schlaf habe ich zumindest weniger Kopfschmerzen…
    Doch was soll ich sagen?… „Durchhalten! Das ist nur eine Phase, da muss ich jetzt durch. Ab da und da wirds einfacher, also Arschbacken zusammenkneifen und durchhalten!“

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