Wenn man den Begriff „Toxische Menschen“ googelt, findet man auf Anhieb etliche Artikel dazu – samt Definition, Klassifizierung und Ratschlägen, wie man am besten mit solchen Menschen umgeht (Spoileralarm: am besten vermeidet man sie ganz). Es ist kein unbekanntes Phänomen und doch denkt man nicht zwangsläufig daran, wenn man einer „schwierigen“ Person begegnet. Wir reden dann von „anstrengend“, „unangenehm“, von Menschen, die gern „im Mittelpunkt stehen“ oder auch von Menschen, die einfach „blöd“ sind und uns aufregen. Dass solche Menschen auf Dauer den Alltag „vergiften“ können, denken wir jedoch eher im zweiten Schritt, wenn überhaupt.

Mirijam Franke trug in ihrem Artikel „‚Giftige‘ Kollegen: 10 Typen von toxischen Menschen, die ihr Arbeitsfeld vergiften“ (nachzulesen unter https://arbeits-abc.de/toxische-menschen/) die 10 häufigsten Typen zusammen:

  1. Die Tratschtante (Verbreitung von Gerüchten, „petzerei“)
  2. Das Opfer (stehts im Mittelpunkt, weil ihm ja die ganze Welt was Böses will)
  3. Der Trittbrettfahrer (immer schön die Anderen für sich arbeiten lassen, aber die Früchte selber ernten)
  4. Der Selbstverliebte (faszinierend, charmant und lustig am Anfang, anstrengend auf Dauer)
  5. Der Eigenbrödler (respektiert ausschließlich seine eigenen Regeln und Grenzen)
  6. Der Konkurrent (sieht immer und überall einen Wettkampf)
  7. Der Erpresser (manipuliert auf der emotionalen Ebene um das zu kriegen, was er will)
  8. Der Arrogante (steigt „über Leichen“ für seine Ziele – mit Mobbing und Intrigen)
  9. Der Choleriker (rastet aus, sobald etwas nicht nach seinem Gutdünken läuft)
  10. Der Lügner (lügt teilweise bis zum Realitätsverlust)

Wenn man sich diese Liste so anschaut, stellt man schnell fest, dass man toxischen Menschen weitaus öfter begegnet ist, als angenommen. Sicher ist das entsprechende Verhalten mal mehr, mal weniger ausgeprägt. Und vielleicht war es auch gar nicht so spürbar (bisher), weil man mit einem solchen Menschen nur wenig oder selten Kontakt hatte bzw. hat. Gleichzeitig stellt sich jedoch ein „Aha“-Effekt ein – plötzlich sieht man so manche ermüdende Begegnungen aus einer völlig neuen Perspektive. Zum Glück sind einige Begegnungen flüchtig – man kommt im Alltag mit einer Person in Berührung, die einen unangenehmen Eindruck hinterlässt und das Gefühl, etwas ausgelaugt zu sein, aber diese Person zieht auch weiter. Glück gehabt. (Dazu fällt mir eine Kundin ein, die ich vor einiger Zeit hatte…) Was ist aber mit denjenigen, die man zwangsläufig regelmäßig sieht?! Arbeitskollegen zum Beispiel? (Dazu fallen mir ein paar Geschichten, die mein Mann mir neulich erzählt hatte, ein…) Was ist, wenn man sich jeden Tag auf etwas gefasst machen muss, was einem das Leben unnötig schwer macht? Was ist mit den regelmäßigen „kannst du bitte mal eben..?“ oder dem nervigen „alle Blicke auf mich!“-Getue..? Was ist mit denjenigen, die ihre Arbeit gern allen anderen unterjubeln, mit denen, die die verdrehte Wahrheit weitertratschen und damit für Missverständnisse sorgen, was ist mit denen, die lügen, dass sich die Balken biegen oder sich am laufenden Bande über alles mögliche und unmögliche beklagen..? Der Ratschlag, sich von solchen Menschen fern zu halten, ist zwar in der Theorie gut, aber leider in den meisten Fällen nicht praktizierbar – die meiste Zeit verbringen wir nun mal am Arbeitsplatz. Platz für die nötige Distanz zu solchen Menschen ist da wohl kaum.

Eine zufriedenstellende Antwort darauf, wie man mit solchen Menschen so umgeht, dass ihr „Gift“ einem nichts anhaben kann, habe ich bisher nicht finden können. Doch zumindest eines der immer wiederkehrenden Ratschläge diesbezüglich scheint mir sinnvoll – einen solchen Menschen samt seiner toxischen Wirkung erkennen. Wenn man nicht ausmachen kann, woher die Müdigkeit stammt, was einen stresst und was für die Abnahme des allgemeinen Wohlbefindens verantwortlich ist, weiß man auch nicht, in welchem Bereich „Medizin“ vonnöten ist. Man fällt dann eher auf Lügen und Manipulationen herein, übernimmt gutgläubig die zusätzliche Arbeit, verschwendet Zeit und Energie darauf, dem Menschen aufzeigen zu wollen, dass alles nicht so schlimm ist, wie es scheint und ihn ggf. „in der schweren Zeit“ zu unterstützen… Das Ergebnis? Müdigkeit, das „Ausgelaugt-sein“, schlechtes Gefühl/innere Unruhe, Zweifel, Grübeln, vielleicht auch das Hinterfragen seiner selbst… Der Moment, in dem man erkennt, dass das nur die „Symptome der Vergiftung“ sind, kann sehr heilsam sein.

„Heilsam“ bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, dass das Verhalten des toxischen Menschen einen nicht mehr belastet oder ärgert – das tut es leider weiterhin. Aber man erkennt zumindest, dass z.B. die Selbstzweifel fehl am Platze sind und auch dass man öfter mal „nein“ sagen sollte. Man überlegt sich auch zweimal, ob man dem, was man eben gehört hatte, Glauben schenken sollte. Weiterhin schwierig bleibt die Gesamtsituation trotzdem – weil vielleicht der Rest der Umgebung nichts davon mitbekommt bzw. den toxischen Menschen nicht als solchen erkennt und auf seine „Machenschaften“ auch weiterhin hereinfällt. Was man dagegen tun kann..? Ich glaube gar nichts, außer sich in Geduld üben und darauf vertrauen, dass noch mehr Menschen aus der unmittelbaren Umgebung diesen „Giftpilz“ mit der Zeit „entlarven“ und ihre Konsequenzen daraus ziehen werden. Und sich nicht einreden lassen, es sei die eigene Schuld.

 

Geduld – mit der Zeit wird aus Gras Milch.

(chinesisches Sprichwort)

 

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